Es bietet atemberaubende Grafik, einen tropisch kühlen Dschungel, jede Menge Aliens, ist DIE kommende Shooterperle und kommt aus dem Heimatland von Bockwurst und Kartoffelsalat.
Wer jetzt nicht weiß, welches Spiel hier gemeint ist, besitzt entweder keinen PC oder aber ist begeisterter, engagierter Minesweeper Spieler. Die Rede ist natürlich vom inoffiziellen FarCry Nachfolger Crysis, an dem derzeitig in den Entwicklerbüros der in Frankfurt am Main ansässigen Spieleschmiede Crytek mit Hochdruck gewerkelt wird, damit aus dem bislang immer noch festgehaltenem Releasetermin Ende 2006 nicht ein 2007 wird.
Und spätestens seit der diesjährigen E3 im vergangenen Mai weiß man, die Arbeit scheint sich zu lohnen, denn das was man dort bislang zu Gesicht bekommen hat, ist mit Abstand eines der heißeste Spieleeisen welches derzeit geschmiedet wird und darf sich mit Recht neben anderen kommenden Toptiteln wie Bioshock oder der bisherigen Grafikdemo Unreal Tournament 2007 einreihen.
Für alle die bisher noch keinen Blick auf das veröffentlichte Videomaterial geworfen haben, seien an dieser Stelle die High Quality HD Videos in unserer Downloadsektion ans Herz zu legen, welche in der Vergangenheit für zahlreiche offen stehende Münder gesorgt haben.
Zwar scheint die Story hinter Crysis keine Pokale für originelle Ideen gewinnen zu können (mal wieder müssen sie als wagemutiger Held ran, um die Menschheit gegen die bösen und überaus fiesen Aliens zu beschützen), dafür sollen aber zahlreiche Feinheiten dafür sorgen, dass dieses Spiel zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.
Die Hintergrundgeschichte ist auch schnell erzählt. Sie schlüpfen im Jahre 2019 in die angesprochene Rolle des wagemutigen Helden, bei dessen Namensgebung sich Crytek scheinbar selbst übertroffen hat und der im Falle von Crysis auf den Namen Jack Dunn hört (ein Schelm, wer sich hier nicht ein leichtes Grinsen unterdrücken kann. Hörte doch schon der Protagonist in FarCry auf den Vornamen Jack) und Mitglied in einer Einheit der US-Amerikanischen Delta Force ist. Genau jene wird nämlich zu Erkundungszwecken ausgesandt, als ein gigantischer Asteroid geradewegs auf eine Inselgruppe im Pazifik niedergeht. Allerdings scheinen die USA nicht die einzigen zu sein, die sich für den heruntergekommenen Riesenbrocken und die Geschehnisse interessieren und so sendet auch Nordkorea einen Teil seiner Flotte in die pazifische Region um der Lage näher auf den Grund zu gehen. Und da sich die beiden Mächte bekanntermaßen nicht gerade wie Freunde behandeln, kommt es nicht viel anders als es kommen muss.
Doch während wir uns mit der nordkoreanischen Armee herumschlagen, scheint sich auch etwas im Inneren des herabgestürzten Asteroiden zu tun und schnell wird uns bewusst, dass es sich nicht nur um leblosen Stein handeln kann, sondern vielmehr um ein Mutter-schiff, dessen unbekannte Eigentümer uns ans Leder wollen, um die Menschheit aus den galaktischen Geschichtsbüchern zu tilgen. So kommt es, dass erst unser schöner Flugzeugträger abgefakelt und versenkt wird, wir danach in der grünen Hölle der Inselgruppe landen, die im späteren Spielverlauf, den Aliens sei Dank in ein eiskaltes Paradies verwandelt wird.
Doch genug gemosert, denn außer der etwas dünnen Story, die aber auch nicht schlechter zu sein scheint als bei vielen Genrekollegen, zeigt Crytek mit Crysis abermals, dass Made in Germany doch noch ein klein wenig Bedeutung hat. Nicht umsonst hat sich dieses Mal der größte Publisher aus Übersee, Electronic Arts, von Crysis begeistert gezeigt und wird die weltweite Vermarktung des Titels übernehmen. Bleibt hierbei nur zu hoffen, dass der oftmals bemängelte Support bei EA, nicht auch bei Crysis zu kurz kommt und wir uns auch dank der neuen Multiplayergefechte auf ein langlebiges Spielvergnügen freuen dürfen. Apropos Multiplayer. Hier scheint Crytek diesmal ein wenig gelernt und ein offenes Ohr für die Communitykritik an FarCry gehabt zu haben. Zwar ist der Multiplayer wieder eher als Sahnehäubchen oben auf anzusehen, da es sich schließlich nicht um einen reinrassigen Multiplayertitel handelt, aber dennoch möcht man dieses Mal ein wenig mehr Energie in die Sparte Multiplayerduelle stecken und hat bislang vier verschiedene Multiplayer-Modi für Crysis angekündigt. Neben den eher typischen Spieltypen Tactical Deathmatch, Tactical Team Deathmatch und Tactical Capture the Flag gibt es einen neuen Spielmodus der mit dem Namen Power Struggle benannt wird. Auffällig an den Standardspieltypen ist das Wort „Tactical“. Dies soll für etwas mehr Action und Elan im Multiplayer sorgen. So wird es scheinbar möglich sein, seine Waffen zu verstärken oder die verschiedenen Funktionen seines Nanoanzugs zu nutzen (vgl. mit Deus Ex). Dadurch sollen die Matches eine etwas neue Richtung bekommen, eben alles ein wenig taktischer.
Völlig neu hingegen ist der vierte Spielmodus der wie erwähnt Power Struggle heißen wird. Wie genau sich dieser Modus letztenendes spielen wird, werden wir wohl erst erfahren wenn wir ein Exemplar von Crysis in den Händen halten. Bekannt ist jedoch, dass es speziell darum geht, Power (Macht) zu „gewinnen“ und es in diesem Spielmodus möglich sein wird, neue Waffen, Fähigkeiten und andere Upgrades zu kaufen. Ob das ganze immer nur kartenbasiert abläuft, oder gar wie eine Art Rollenspiel, bei dem der Fortschritt des einzelnen Spielers auf einem dafür vorgesehenen Spielserver gesichert wird, so dass man sich langsam hochkämpfen kann, ist noch völlig im Dunkeln. Eine nette Idee wäre es auf jeden Fall und würde den Multiplayer auch längerfristig interessant und ansprechend machen. Lassen wir uns überraschen was Crytek in dieser Hinsicht zaubern wird.
Überrascht war man schließlich auch, als die ersten Bilder und Videos aufgetaucht sind, die verdeutlichten, welche wunderschöne, lebensnahe und detailreiche Grafik die neue, auf einer stark verbesserten und erweiterten CryEngine basierende, CryEngine2 auf den heimischen Bildschirm zu zaubern vermag. Neben dem vollen Repertoir an Shader 3.0 Effekten unterstützt die CryEngine 2 als erste Engine auch Shader 4.0 Effekte, die mit DirectX10 Einzug in die Spielewelt halten, welches bekanntermaßen mit Microsofts neuem Betriebssystem Windows Vista kommen wird. Aber auch „nur“ mit DirectX 9.1 und Shader 3.0 sieht Crysis optisch besser und oppulenter aus, als die meisten anderen Mitstreiter am Shooterhimmel. So werden neben den bereits bekannten und mittlerweile nahezu als Standard etablierten Möglichkeiten wie Parallaxmapping und Softshadows auch völlig neue Effekte wie volumetrische Wolken geboten, die die Spielewelt realistischer als je zuvor wirken lassen. Neben dem beeindruckenden Grafikuntersatz nimmt in Crysis aber auch die Physik ein wichtige Schlüsselposition ein. Waren in FarCry nur erste Ansätze und kleine Ideen zur sinnvollen verwendung von Physik in Spielen enthalten, so ist spätestens mit Half-Life² deutlich geworden, welchen enormen Gewinn eine gute und sinvoll eingesetze Spielphysik für die Atmosphäre eines Spiels bedeuten kann. Genau dies schien auch den Entwicklern bei Crytek für ihr neues Werk durch den Kopf gegangen zu sein und so bietet Crysis eine sehr beeindruckende, fast schon realistisch wirkende Physik. Blätter von Pflanzen die sich physikalisch korrekt verhalten und wegknicken, wenn der Spieler an ihnen vorbei läuft, Hütten im Dickicht, die vollständig in ihre Einzelteile zerlegbar sind oder der Dschungel an sich, in dem jeder einzelne Baum zerstörbar ist, sei es durch Handgranaten oder aber durch Waffenfeuer direkt auf den Stamm gerichtet, welcher in Folge der auf ihn einschlagenden Kugeln zerberstet und laut dem Motto „Baum fällt!“ zu Boden stürzt. Abgesehen von diesen, durch den Spieler verursachten Veränderungen, wird auch die Spielwelt selbst Veränder-ungen unterliegen. Vermutlich werden diese scriptgesteuert ablaufen, aber dennoch er-warten den Spieler Erdbeben, Tornados und das durch unsere Widersacher vom Mars verursachte Freezing, welches komplette Inselabschnitte vereist. Alles selbstredend in Echtzeit ablaufend.
Sicher geschützt und eingepackt ist unser Alterego dabei immer in seiner Nano-Suit. Diese verleiht unserem Helden ähnlich der Implantate aus Deus Ex oder Chrome, verbesserte Körperfähigkeiten. So können wir in dem einen Moment noch rennen wie eine junge Gazelle und sind im nächsten Moment stark wie King Kong persönlich, um so die Barracke samt Feind, dank Muskelkraft auseinander zu nehmen. Welche weiteren Fähigkeiten dieserer Superhelden anmutende Anzug birgt, ist bislang noch nicht durchgesickert, aber eines ist gewiss, es steht uns wahrhaftig etwas mächtiges ins Haus.
Mächtig werden vermutlich auch die an die Hardware gestellten Anforderungen sein, zumindest wenn man Crysis mit allen möglichen Effekten und auf höchsten Einstellungen genießen möchte. Welchen Prozessor oder welche Grafikkarte ihr dafür aber mindesten euer eigen nennen solltet bleibt bislang unklar. Sicher ist aber, dass die auf der E³ 2006 gezeigten Videos auf einem mit einem X1900XTX Crossfireverbund bestückten System liefen - ruckelfrei und sehr nett anzusehen. Von daher dürften vermutlich auch etwas leistungsschwächere Grafikkarten ausreichen um Crysis mit ansehnlicher Optik wiederzugeben.
Aber wie so oft heißt es erstmal abwarten. Denn noch stehen vermutlich mindestens 5 Monate Zeit zwischen uns und Crysis. Dennoch heißt dies auch sich freuen zu können, denn mit jedem Tag ist es etwas weniger Zeit und zugleich wird die Fülle an News stetig mehr. Wer immer aktuell bleiben möchte, schaut daher regelmäßig auf www.crysis-lab.net vorbei.
Noha | www.crysis-lab.net | © 2006